Üben aber wie

"Mama, ich möchte so gerne Gitarre/Klavier ... spielen lernen-"

Die meisten Eltern freuen sich über diesen Wunsch. Ist es doch eine tolle Sache wenn ein Kind Musik machen möchte und dadurch noch in vielen übergeordneten Bereichen gefördert wird.

Ein Instrument spielen zu können heißt, eine Reihe von verschiedenen Abläufen unter einen Hut zu bekommen, so zum Beispiel:

  • Koordination der Hände und die Finger dazu bringen das zu tun was man von ihnen will
  • Notenschrift verstehen und umsetzen
  • das sich die Finger "blind" auf dem Instrument zurecht finden

Das alles und noch vieles mehr braucht man als Handwerkszeug damit aus einzelnen Tönen Musik wird, die uns anspricht. Der Unterricht vermittelt alle diese Dinge und gibt Tipps und Tricks bei auftretenden Schwierigkeiten.

Aber nur vom "Wissen wie es geht" entsteht noch keine Musik.

Damit die Musik auch `rüberkommt, brauchen die Finger und der Spieler ein kontinuierliches Training, d.h. ihr Kind braucht Übung damit es die im Unterricht gezeigten Fertigkeiten auch Umsetzen kann.
Jetzt werden Sie sich fragen: "Sind da 30 oder 45 Minuten Unterricht einmal wöchentlich nicht viel zu wenig?" Richtig -, und hier kommen wir zum Thema Üben.

Grundsätzlich kann man von verschiedenen Arten des Übens/Spielens sprechen. Die Eine, wenn man etwas noch nicht kann und solange `dran bleibt bis es endlich klappt. Die andere Art ist, zu spielen was man besonders gut kann oder sehr gerne mag. Eine weitere Art wäre, mit anderen zusammen zu spielen oder etwas für andere zu spielen.

Die optimale Voraussetzung ist ein geeigneter "Spielplatz". Richten Sie, am besten gemeinsam, einen einladenden Platz ein, wo Instrument und Zubehör stehen bleiben können um immer griffbereit zu sein. Anfangs reichen Spielzeiten von 10 Minuten täglich, die sich dann durch die größer werdende Anzahl und Länge der Stücke kontinuierlich verlängern sollte. Fügen Sie das Instrumentenspiel als festen Bestandteil in den Tagesablauf ein, so wie z.B. Zähne putzen. Wahrscheinlich kommt dann auch mal der Kommentar "das kann ich schon", oder "ich weiß nicht wie ich das spielen soll". Im ersten Fall könnten Sie Ihr Kind besonders heraus fordern z.B. mit der Frage: "Kannst Du das auch spielen wenn ich die Noten wegnehme, oder wie schnell kannst Du es spielen?" Sollte Ihr Kind nicht spielen oder Schwierigkeiten dabei haben, nehmen Sie Anteil und sprechen mit ihm über mögliche Gründe. Nehmen Sie Kontakt zu der Lehrkraft auf, damit Unklarheiten und Probleme gelöst werden können.

Darüber hinaus ist ein regelmäßiger Austausch mit der Lehrkraft sehr hilfreich, damit Sie entsprechende Hilfestellung geben können. Das Spielen soll Spaß machen, die Neugierde wecken, Kreativität entfalten, die Konzentration fördern und Fortschritte bringen. Sprechen Sie mit ihrem Kind über das regelmäßige Training/Üben und signalisieren Sie, dass Sie es dabei begleiten und unterstützen wollen und entdecken auch Sie für sich die Freude an der Beschäftigung mit Musik.

Hier ein paar Vorschläge wie Sie Hilfestellung geben können:

  1. Zeigen Sie, dass Sie Musik mögen und hören Sie gezielt wo das betreffende Instrument überall mitspielt.
  2. Richten Sie, am besten gemeinsam, einen einladenden nicht zu unruhigen Platz ein, wo Instrument und Zubehör stehen bleiben können. So wird das Musikmachen in den Alltag einbezogen und gerät nicht in Vergessenheit.
  3. Das Training/Üben als festen Bestandteil in den Tagesablauf einfügen, damit regelmäßig gespielt wird. Am besten erst mal verschiedene Zeiten ausprobieren ( z.B. vor dem Schlafengehen, gleich nach der Schule...).
  4. Die tägliche Dauer und Häufigkeit des Trainings/Übens ist von verschiedenen Faktoren anhängig ( z.B. allgemeine Verfassung, Konzentration, Länge und Anzahl der Stücke, Schwierigkeitsgrad etc.).
    Wichtig hierbei ist eine Zielvorgabe, so kann diese z.B. sein:
    • spiele das Stück so lange bis es ohne Fehler klappt
    • wenn du schlecht `drauf bist, spiele nur Fingerübungen oder "alte" Stücke
    • suche nur die schwierigen Stellen heraus zum Üben
    • spiele mal alle deine Lieblingsstücke
    • wenn du heute keine Lust hast nach Noten zu spielen, denke dir selbst etwas aus.
    • schaffst du schon ein Lied/Stück auswendig?
  5. Weitere Zielvorstellungen und Motivationstipps können sein:
    • spiele mal so laut/leise wie du kannst
    • spiele so schnell wie du kannst, oder mal wie in Zeitlupe
    • spiele mir mal dein/mein Lieblingslied vor
    • darf ich dazu mal singen oder den Rhythmus klopfen/klatschen
    • die Noten fotokopieren, in Puzzlestücke schneiden, mischen und verdeckt Teile ziehen zum Abspielen

Der Phantasie und Kreativität sind keine Grenzen gesetzt und sicher entstehen bald viele neue Ideen. Kinder lernen auch besonders gerne über Rollenspiele, so z.B. ist das Kind der Rockstar/Konzertpianist und möchte mit seinem besten Stück ins "Tonstudio". Machen Sie gemeinsam eine Aufnahme und hören Sie sich das Ergebnis hinterher zusammen an.
Sollte ihr Kind nicht Üben, sprechen Sie mit ihm über mögliche Gründe und nehmen Sie Kontakt zu der Lehrkraft auf, damit eventuelle Unklarheiten oder Probleme besprochen werden können. Darüber hinaus ist ein regelmäßiger Austausch mit der Lehrkraft zu empfehlen, damit Sie entsprechende Hilfestellung geben können. Hierfür empfiehlt sich ein Termin außerhalb des Unterrichtsbetriebs, da Manches nicht gut zwischen Tür und Angel und vor dem Kind zu besprechen ist. Üben soll Spaß machen, die Neugierde erhalten, die Kreativität anregen, die Konzentration fördern und Fortschritte bringen.